Interview: Reinhard Tritscher

Steckbrief:
 
Name: Reinhard Tritscher
Geburtsdatum: 5. August 1946 in Ramsau am Dachstein
Ausbildung: Maschinenbautechniker
Familie: verheiratet, zwei Söhne
 
Erfolge:
Olympische Spiele: Sapporo 1972: 8. Platz, Riesenslalom
 
Weltcup: insgesamt 8 Podiumsplatzierungen, davon 4 Weltcupsiege:
12. Jänner 1969: Wengen, Slalom
16. Februar 1969: Kranjska Gora, Riesenslalom
1. März 1969: Squaw Valley, Riesenslalom
10. Dezember 1972: Val d´Isere, Abfahrt
 
Österreichischer Meister:
1968 im Riesenslalom
1975 in der Kombination

 

In den 60er und 70er Jahren gehörte Reinhard Tritscher zu den herausragenden Talenten im internationalen Skisport. Als einer der wenigen dieser Zeit schaffte es Reinhard Tritscher in allen Disziplinen siegreich zu sein. Seinen zwei Brettern und dem Schnee ist er bis heute treu geblieben, wenn auch in einer anderen Form: dem Tourenskigehen. Im Porträt spricht Reinhard Tritscher von seiner bewegenden Karriere und seinen Aufgaben danach.

                                                                             

 Früh übt sich wer ein Meister werden will

Das Skifahren begleitet Reinhard Tritscher von Kindesbeinen an. Der heute 65-Jährige erinnert sich noch genau an seine ersten Ski, die er von seinen älteren Geschwistern übernommen hatte. „Angefertigt wurden sie von unserem Vater. Der war Zimmermann und handwerklich sehr geschickt. Auch mit meinem älteren Bruder Hans bastelte ich so einiges an den Skiern herum“ erinnert sich Reinhard. So war es nicht verwunderlich, dass Reinhard bereits in jungen Jahren schon bei den meisten Skirennen den Mitstreitern immer einige Zehntel voraus war. Das Rennfahren immer im Hinterkopf, war es für Reinhard dennoch wichtig, eine ordentliche Ausbildung zu haben. Im Alter von 14 Jahren wechselte das junge Skitalent von der Hauptschule in die Bundesfachschule für Maschinenbau in Hallein. „Es war keine leichte Zeit, da man Schule und Skifahren unter einen Hut bringen musste. Aber ich bin froh über diese Ausbildung, die mir noch heute oft zu Gute kommt“, so Reinhard.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Berühmt für seinen kurzen Slalomschwung fiel Tritscher schon in jungen Jahren als außerordentliches Nachwuchstalent auf. Ein erster wertvoller Meilenstein, in Richtung Karriere als Skirennläufer, war der Sieg bei den österreichischen Jugendmeisterschaften. Dieser Titel bedeutete zugleich auch die Aufnahme in den österreichischen Jugendkader und dann B-Kader, dem der damals 18-Jährige ab dem Jahr 1964 angehörte. Den Sprung in die österreichische Nationalmannschaft schaffte Reinhard im Alter von 21 Jahren, nachdem er 1968 noch österreichischer Meister  im Riesenslalom wurde. Weitere sportliche Größen dieser Zeit wie Karl Schranz, Gerhard Nenning, Jean-Claude Killy, Patrick Russel, die Brüder Augert, Gustav Thöni, später Franz Klammer und David Zwilling gehörten von nun an zu seinen stärksten Konkurrenten. Zahlreiche Verletzungen warfen den sympathischen Ramsauer in seiner Karriere immer wieder zurück. Am bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt, verletzte sich Reinhard 1969 schwer. „Der Weg zurück war sehr hart, doch ich schaffte es erneut an die Spitze“, erzählt Reinhard und fügt sichtlich mit Stolz hinzu, welch Erfolg es war „die Abfahrt in Val d´Isere nach eineinhalb Jahren verletzungsbedingter Pause gewonnen zu haben“.Das Skitalent war wieder zurück. Schlussendlich schaffte es Reinhard Tritscher in seiner Karriere auf 36 Top-Ten- Platzierungen und vier Siege im Slalom, Riesenslalom und in der Abfahrt. Bei den olympischen Winterspielen in Sapporo erzielte Reinhard den 8. Platz. Seine Karriere beendete Reinhard Tritscher im Alter von nur 29 Jahren. Ausschlaggebend für dieses doch sehr frühe Ende war wiederum eine schwere Verletzung. Fragt man Reinhard heute nach seinen schönsten Erfolgen im Weltcupzirkus, so kommen viele Erinnerungen bei ihm hoch. „Für mich zählen alle Weltcupsiege. Ich war damals einer der wenigen, der in jeder Disziplin gewonnen hat. Jeder dieser Siege hat seine besonderen Erinnerungen.“ Als besonderen Höhepunkt in seiner sportlichen Laufbahn bezeichnet er jedoch den Sieg in der Abfahrt von Val d´Isere vor Größen wie Bernhard Russi oder Franz Klammer.

Daheim ist es am Schönsten

Auch wenn er in seinem Leben viel herumgekommen ist, seine Heimat war und ist sein Geburtsort Ramsau am Dachstein. Nirgendwo sonst gibt es für ihn einen Ort, wo man ein dermaßen breitgestreutes Angebot vorfindet. Heute hat der einstige Spitzenrennläufer das Alpinskifahren nach eigenen Aussagen beinahe gänzlich an den Nagel gehängt. Dem Schnee und der Natur ist er trotzdem treu geblieben. Mit Freude erzählt Reinhard über sein jetziges Hobby: das Tourenskigehen. „Der Sport fasziniert mich. Das Gehen, die Bewegung, die Natur gefällt mir und es hält mich fit, das genieße ich“. An die 500 Mal war Reinhard bislang zu Fuß oder mit den Tourenski auf „seinem“ Hausberg, der Scheichenspitze.

Dieser Artikel erschien im Der Dachsteiner Winter 2011/12

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über ihren Beitrag!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>